Tanzen Schweinchen Polka und frieren Schweden eigentlich nie? Klappe Schweden: die Dritte!

In unserer letzten Schweden-Woche holen wir uns kalte Füße im zweitgrößten See des Landes, kaufen so viele Bonbons wie noch nie und nehmen schließlich Abschied von einem tollen Urlaub und einem tollen Land.

Etwas wehmütig, wird man ja schon, wenn das Ende einer Reise in Sicht ist. Wir haben haben in unserer ersten Woche schon Ystad, Karlskrona und Öland gesehen. In der zweiten Woche haben mit Pippi und Co viel Spaß gehabt und in Stockholm mal wieder Großstadtluft geschnuppert. Auch in der letzten Woche weichen wir  von unserer geplanten Route wieder etwas ab.

Tag 16

Heute heißt es zügig raus aus Stockholm – wir wollen wieder an einen See. Allerdings passiert es uns erstmalig in diesem Urlaub, dass nix, aber auch gar nix zu machen ist auf dem Platz unserer Wahl. Der Platz am Sommensee ist picke-packe-voll, dank eines Festivals, welches dieser Tage stattfindet. Schade!

Getinggaryds Camping

Dann eben doch zum Vättern, dem zweitgrößten See Schwedens. Außerdem wollten wir ja noch herausfinden, was es mit den Polka-tanzenden Schweinchen auf sich hat, die ihren Ursprung in Gränna am Vätternsee haben sollen.

Wir steuern einen Platz nördlich von Gränna an: den Getingyrads Campingplatz.

Nett und so ganz anders als die bisherigen Plätze. Fast ein bisschen wie Urlaub auf dem Bauernhof – die Kinder sind sehr angetan. Wir auch, denn wir haben die freie Auswahl unter vielen Plätzen auf einer riesigen Wiese mit Blick auf den Vättern. Der ist aber leider eiskalt. Selbst der hartgesottene Mann, der nicht mal Gebirgsseen scheut, stellt fest, dass dieser See ihn an seine Grenzen bringt. Ich stecke nur den großen Zeh rein und setze mich dann schnell wieder in die Sonne, um mich aufzuwärmen.

Tag 17

Das Wetter ist ein wenig unwillig und zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Den Kindern ist’s egal, denn „HALLOOOO?!“ schließlich gibt es zwei Pferde vor Ort! Und wenn man die Platzherrin freundlich fragt, darf man das kleine Shetland-Pony sogar striegeln! Damit hat sich dieser Platz unwiderruflich in die Top Ten unserer Kinder-Wertung katapultiert und wir Großen können uns voll und ganz dem Kaffee, unseren Büchern und dem Beine hochlegen widmen. Wie schön!

Gegen Nachmittag werden wir doch rastlos – schließlich wollten wir noch die Schweinchen Polka tanzen sehen. Also rein nach Gränna; von Schweinen weit und breit nix zu sehen. Musik ist auch keine zu hören, aber unsere Trüffelschweinchen (ihres Zeichen 8 und 10 Jahre alt) nehmen sofort Witterung auf und führen uns auf die richtige Fährte in das nächstgelegene Ladengeschäft. Hier duftet es ganz wunderbar und hier liegt auch des Rätsels Lösung: „Polkagrisar“ übersetzt „Polkaschweinchen“ sind weder rosa noch tanzend unterwegs – es handelt sich hierbei um rot-weiß-gestreiftes Zuckerwerk in allen möglichen Formen und Größen. Die Erfinderin dieses Zahnarztalptraumes stammt aus Gränna und daher machen die hier so ein Bohei darum – Ach so!!!! (Wer mehr darüber erfahren will, dem empfehle ich diesen Blogpost von Schwedenhappen)

An Grännas Hauptstraße (und die ist jetzt auch nicht soo lang) stolpert man von einem Bonbonladen in den nächsten. Allesamt sehr hübsch gemacht mit Show-Küchen, welche die Produktion der Polkaschweinchen präsentieren. Dies endet in einem kollektiven Kaufrausch – selten war es so einfach die Mitbringsel-Liste abzuarbeiten.

Tag 18

Das Wetter wird nicht besser und wir beschließen die Zelte abzubrechen bzw. den Wagen von dannen zu ziehen. Die geplante Route hätte uns jetzt an den Bolmensee geführt. Das verwerfen wir, denn wir haben festgestellt, dass unsere Großstädter-Körper den eisigen Temperaturen der großen Schweden-Seen nicht gewachsen sind. Es geht nach Tingsryd an den Tikensee, der uns klein genug und somit schwimmtauglich erscheint.Storre Mosse Naturum

Ein schöner Zwischenstop auf der Strecke, ist der Store Mosse National Park , der
(ACHTUNG SUPERLATIV) Südschwedens größtes Moor beheimatet. Rund 40 km Wanderwege gibt es und ein schönes Naturum, das auch für Kinder sehr interessant ist.

Wir kommen schließlich am frühen Abend im Tingsryd Resort am Tikensee an und beziehen einen Platz in Seenähe. Ganz schön duster ist das Wasser, aber der Große-Zehen-Test registriert warme Temperaturen. Wir können bleiben.

Tag 19

Tingsryd Resort

„Heut’ hab ich Zeit, keinen Grund mich zu beeilen. Ich hab’ Zeit.“ ist unser Song des Urlaubs. Im Ursprung von Silbermond und gecovert von Gentleman im Tauschkonzert.
Wir hören ihn fast jeden Tag und gerade heute passt er perfekt. Wir gammeln am Campingplatz herum, erkunden die nähere Umgebung mit dem Rad, spielen eine Runde Kubb und tanken Sonne. Uns geht es gut- wir haben Zeit – keinen Grund uns zu beeilen!

 

Tag 20

Einen letzten Programmpunkt haben wir noch auf der Agenda: Uns vom Elch knutschen lassen. Ursprünglicher Ort des Geschehens sollte der Markaryd Elchpark sein, aber durch unsere kleine Routenumstellung liegt das Älgrikets bei Källhut viel näher. Anders als die meisten Elchparks erläuft man sich den Park, statt ihn mit dem Auto zu durchfahren. Bewegung find ich gut und auch dank der positiven Bewertungen im Netz machen wir uns auf den Weg zu den Elchen. Was jedoch in der Theorie gut klang, überzeugt in der Praxis leider nicht wirklich.

Das Älgriket macht zwar einen guten ersten Eindruck, der sympathische Mann an der Kasse, der uns auf seine eigene witzige Art die Regeln für den Park erklärt, trägt maßgeblich dazu bei. Die Tiere dürfen mit dem Grünzeug vom Wegesrand und der Bäume gefüttert werden, nur Blitzlicht mag der Elchbulle nicht, da wird er bissig. Verstehen wir – wer wird schon gern geblitzdingst? 28 Elche gibt es insgesamt im Park, davon 9 Jungtiere. Top! Wir zahlen brav unsere umgerechnet €30 und treten frohgemut den Fußmarsch an. Nach kurzer Zeit erreichen wir zwei durch Maschendrahtzäune abgetrennte Gehege. Links Lamas, rechts Elche – drei an der Zahl. Zwei Ausgewachsene und ein Elchkalb. Die älteren Tiere kennen das Spiel schon: Mensch rupft Äste und Blattwerk (das darf Mensch lt. Regelwerk auch) – Mensch steckt Astwerk durch Zaun – Elch frisst – Mensch wandert weiter auf der Suche nach weiteren Elchen – Elch wartet auf nächsten Mensch. Das klappt bis auf den Punkt „Suche nach weiteren Elchen“ ganz wunderbar, denn erstmal sind keine weiteren Elche zu entdecken. Nicht schlimm, kommt ja sicher alles noch. Wir spazieren zu dem See, den uns der Herr am Eingang ans Herz gelegt hat.

Kleines Päuschen und weiter geht es. Es warten ja noch 26 Elche auf uns und unsere Äste-Abreiß-Qualitäten. Allerdings sehen wir kein Gehege mehr, ob die anderen Elche freilaufend sind?! Aufregend! Wir laufen und gucken und gucken und laufen. Eine Weile tut sich nix, dann kommt ein weiteres Gehege. Da wartet schon ein Hirsch – Äh? Na gut – andere Besucher gucken ebenfalls etwas sparsam und wissen auch nicht so recht wie es weitergeht. Ein weiteres Gehege grenzt an das Hirsch-Hoheitsgebiet. Aha! Elche! Nach ein paar Metern stellt sich jedoch raus, dass wir wieder an Gehege 1 angekommen sind. Der Rundweg ist vorbei und entweder wir haben die anderen Tiere verpasst oder jemand hat geblitzdingst und die Herde hat das Weite gesucht. Nun kennen wir uns mit Elchsparks nicht wirklich aus, aber ein wenig enttäuscht sind wir doch. Ich pflücke mir noch einen schönen Wildblumenstrauß zum Trost. Leider ist der Mann am Eingang schon wieder intensiv mit der nächsten Truppe beschäftigt, sonst hätten wir noch mal nachgefragt. So setzen wir einfach einen Haken unter das Thema und freuen uns an den hübschen Elch-Postkarten, die er uns im Vorbeigehen noch schnell übereicht.

Tag 21

Unser vorletzter Tag in Schweden beginnt mit einer Abschiedsschwimmrunde im See. Heute geht es zurück zur Küste in die Nähe von Trelleborg. Wir wollen uns damit wieder in die Reichweite der Fähre begeben. Es geht auf den Skateholm Camping  in Beddingestrand. Das ist ja der Platz, den wir eigentlich schon zu Beginn unserer Reise ansteuern wollten. Jetzt, nachdem die Saison vorüber ist, haben sie nicht nur ein, sondern gleich mehrere Plätzchen für uns zur Auswahl und wir checken für zwei Nächte ein. Wie wir das beobachten scheinen wir nicht die Einzigen zu sein, die hier ihren Urlaubsabschluss finden. Es gibt einige Camper, die nur eine Nacht stehen, um dann in den frühen Morgenstunden Richtung Fähre fahren.

Die Sonne verwöhnt uns noch einmal richtig und wir verbringen den Tag in den Dünen am Meer. Uns ist die Ostsee ein wenig zu frisch, die Schweden allerdings stürzen sich hier – wie auch bereits am Vättern – fröhlich in die kalten Fluten. Ich kann nur staunen und frage mich, ob der gemeine Schwede eigentlich niemals friert? Allzu häufig habe ich in diesem Urlaub einen dicken Pulli und Jeans getragen, während die Schwedenmaid im sommerlichen Trägerkleidchen umherlief.  Wahrscheinlich müsste ich häufiger Eis-baden. Brrr!

Skateholms Camping

Tag 22

Auch heute ist uns das Wetter wohlgesonnen und wir faulenzen am Strand und am Caravan. Ich weiß wiedermal das Urlauben im Wohnwagen zu schätzen, denn das deprimierende Koffer packen entfällt. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, unseren Vorrat an alkoholischen Erfrischungsgetränken und Grillwürstchen zu minimieren. Alles im Sinne der optimalen Stützlast natürlich.

Gegen Abend verdüstert sich der Himmel. Das machst du brav Schweden, so fällt uns der Abschied nicht so schwer. Wie wir es uns in diesem Urlaub zur Angewohnheit gemacht haben, packen wir bereits am Abend Tisch, Stühle und Teppich ein, rollen die Sackmarkise auf und sind abfahrbereit, wenn morgen der Wecker klingelt…

Tag 23

…und der klingelt früh: 5.45 Uhr. Gähn! Pünktlich sind wir an der Fähre und rollen wie alte Profis die Rampe hinauf in den dicken Schiffsbauch. Wir winken Trelleborg ein letztes Mal und ab geht es an das Frühstückbuffet.

13.30 Uhr, Rostock Hafen – es regnet. Willkommen zu Hause – sag ich da nur!

Es braucht nur 15 Min. auf deutschen Autobahnen und wir vermissen die schwedischen Straßen und die entspannte Fahrweise. Auf Anhieb können wir mind. fünf Punkte aufzählen, warum das Fahren – insbesondere mit Caravan-Gespann – in Schweden so viel angenehmer ist, aber davon werden wir euch ein anderes Mal erzählen…

Für jetzt heißt es erstmal… „Adjö Sverige“ …und ganz bestimmt bis ganz bald!

Schweden-Bilanz

Gefahrene Straßenkilometer: 2.380

Gefahrene Seemeilen: 173

Routenänderungen: 3

Besuchte Campingplätze: 9

Geschlafene Nächte: 22

Verdrückte Fleischklösschen: 98

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