Pleiten, Pech und Caravan

Jeder hat sie schon erlebt. Besonders bei Wohnwagen-Neulingen häufen sie sich, aber auch echte Profis sind nicht vor ihnen gefeit: Missgeschicke, Anfängerfehler oder grobe Patzer. Sie enden in kleinen oder großen Dellen, kleinen oder großen Kosten und manchmal auch nur in kleinen oder großen Lachern. Nach unseren ersten Ausrutschern hatten wir die Idee zu einer Top Ten Hitliste, die heute ihren Anfang nimmt…

ACHTUNG: Dieser Post darf nur bei nachgewiesener Nervenstärke und Stressresistenz gelesen werden. Es kann passieren, dass nach Lesen der nachfolgenden Geschichten Ihr Caravaner-Dasein nicht mehr so ist, wie Sie es bis dato kannten. Sie werden möglicherweise von irrationalen Ängsten oder Alpträumen gepeinigt. Diese können insbesondere von abgerissenen Hekis, freilaufenden Stützrädern oder gewaltsam abgerissenen Stromkabeln handeln!

Damit sei den Warnungen genüge getan und ich komme nun zum eigentlichen Inhalt meines heutigen Posts. Diesen habe ich allerdings nicht alleine geschrieben, sondern unter Mithilfe einer ganze Community: Den Caravanern des Wohnwagen-Forums!

In diese illustre Runde von aktuell 53.457 Forumsteilnehmern habe ich die Frage gestellt, welches Missgeschick oder welcher Anfängerfehler ihnen denn so widerfahren sind. Nicht alle (die Auswertungsarbeit darf ich mir gar nicht vorstellen) haben geantwortet, aber doch einige.

Somit kann ich euch heute ein wunderbares Medley diverser Pleiten, Pech und Pannen präsentieren, die – man höre und staune – nicht nur Anfängern wie uns, sondern auch eingefleischten, routinierten Caravanern passieren.

Notiz an mich selbst: Routine schützt vor Torheit nicht!

Los geht’s – aber ich warne euch vor! Womöglich geht es euch so wie mir bei der Pannenshow im Fernsehen: Die Faszination des Grauens gepaart mit dem Gedanken:

„Oh nein! Niiiicht gut!! Das tut bestimmt gleich weh…AAAAhrghhh!!!“

Spitzenreiter – und somit auf Platz 1 – unter den Missgeschicken ist der nicht vollständig abgeschlossene Ankupplungsprozess. Heißt: die Kugel der Anhängerkupplung ist nicht vollständig in der Kupplungsklaue eingerastet. Teils war man abgelenkt, teils in der Annahme, es hätte bereits alles richtig eingerastet.

Hier möchte ich auch direkt meine Lieblings-Geschichte – beigetragen von „Kieni“ – im O-Ton wiedergeben:

„Wir also vom Gardasee die Heimreise angetreten. Gleich kurz nach dem Campingplatz ein knacken oder klopfen. Mein Vater hat gehalten und hat sich das angeschaut. Hat nix gesehen, also weiter. Später bei Innsbruck eine größere Pause gemacht. Da hat mein Vater dann abgekuppelt und festgestellt, dass die Kugel gar nicht im Zugmaul war. Die lag geschlossen auf der Kugel auf. Dank der ausgereizten Stützlast blieb das Gespann aber über 100e von Kilometern zusammen.
Da hat er aber dann geschluckt mein alter Herr.“

Davor ziehe ich erstmal den imaginären Hut. Das ist ja quasi die Meisterung eines Missgeschicks in der Königsklasse. In der Regel endeten diese Geschichten jedoch mit abgerissenen Abrissseilen und/oder einem empfindlichen Ditscher der Deichsel. Um dies zu vermeiden, kann man sich auch die praktische Check-Liste für das Ankuppeln der Caravaning zu Gemüte führen.

Den 2. Platz belegen dann auch direkt nicht gelöste Stromkabel, die einem das abrupte Abreißen auch wirklich übelnehmen. Wer also gesteigertes Interesse an Kaltgetränken hat, sollte die vollständige Lösung aller Seile und Kabel beim Abkuppeln beachten.

Ebenfalls gelöst werden sollte die Handbremse möglichst noch vor dem Movern und vor der Abfahrt. Diese Panne liegt bei gleichem Punktestand ebenfalls auf Platz 2. Wenn ich allerdings alleine unsere Momente zähle, wo es heißt „Ach Mann, die Handbremse ist noch nicht gelöst!“ und wiederum 10% davon umlege auf die Anzahl aller Caravanisten Deutschlands, wäre die heimliche Nr. 1 wohl nie im Leben von anderen Pannen einzuholen. Womöglich hat das Caravaning auch nur deshalb seinen Ruf als entschleunigtes Reisen erlangt.

Platz 3 belegen die Stützen. Sie sind wirklich unberechenbare kleine Mistmaden. Verstecken sich in den äußersten Ecken unseres Wohnwagens und zielen einzig darauf ab vergessen zu werden. Da wären die nicht hochgekurbelten hinteren Stützen, mit denen ein Camper dann auch mal direkt losgefahren ist und später viel Spaß mit verbogenen Stützen und lädiertem Unterboden hatte. Während ein Anderer im Innern eines Caravans im ad hoc Spurt vom rückwärtigen Teil wieder nach vorne sprintet, um so den direkten Aufschlag des Hinterteils wegen eben nicht heruntergelassener Stützen zu verhindern. Schallgeschwindigkeit der anderen Art…

Gerne genommen – und auch von uns selbst erfahren – ist das Rückwärtsschieben des Wagens auf den Stellplatz oder die Keile mittels Zugfahrzeug. Wenn man dann nicht an den Auflaufdämpfer denkt, der sich – sobald abgekuppelt wird – auch entsprechend wieder ausfährt und nach vorne schiebt, behält man ein schönes Andenken in seiner Stoßstange. Dann doch lieber vor dem Abkuppeln noch einmal leicht vorfahren und damit den Auflaufdämpfer rausziehen. Verewigen kann man sich doch viel schöner mit einem geschnitzten Herzchen an einem Baum des Stellplatzes.

Beliebt ist auch die maximale Ausnutzung der Auto- bzw. Autarkbatterie. Wahlweise durch vergessene Wohnwagenbeleuchtung im angekuppelten Zustand oder durch das Versäumnis sich am Stellplatz nicht an das Stromnetz anzuschließen. Da bleibt dann nur noch das Überbrückungskabel für das Auto oder im schlimmsten Falle eine neue Batterie für den Wohnwagen.

Der eine oder andere bevorzugt auch ein ordentliches Lüftungsverhalten. Beliebt sind hier die Dachluken, in einem Falle auch das Seitenfenster im Bad bei voller Fahrt offen stehen zu lassen. Wir haben uns erst beim letzten Ausflug spontan entschlossen  die Dichtigkeit unseres Sanitärraumes zu prüfen. Dazu haben wir bei einem kräftigen Gewitter einfach mal die Dachluke im Bad offengelassen. Also eine ordentliche Dusche kann der ab, das wissen wir jetzt!

Lüften wird auch dringend notwendig, wenn man einen Wohnmobilisten beim ungeschickten Einparken beobachtet und darüber seine Erbsensuppe auf dem Caravanherd vergisst. Dieser köstliche Geruch von „Röstaromen“ hängt einem noch tagelang in der Nase.

Eine kleine Brise tut da gut, bei etwas höheren Windstärken ein Zelt oder eine Markise abzubauen oder nicht richtig zu sichern ist jedoch weniger empfehlenswert. Da endet das Vorzelt oder die Markise sonst gerne mal mit vollständig verbogenem Gestänge auf dem Wohnwagendach. Ich kann hier dringend zum Einsatz von Sturmbändern raten. Es gibt außerdem ein Plattensystem von P….P.., das die Stangen bombenfest am Boden hält.

Dringend anzuraten wäre auch die vollständige Entleerung des Wasserkreislaufes vor der Überwinterung. Diverse Geschichten handeln von beschädigten Thermen, in denen das Wasser in der Frostphase gefroren ist. Die Folge: bei der ersten Ausfahrt der neuen Saison verwandelt das Wasser aus der kaputten Therme den Wohnwagen in ein Feuchtgebiet.

Eines wurde uns direkt zu Beginn schnell beigebracht. Steht der Wagen, Hähne auf zur Entleerung und Belüftung des Frischwassersystems. Wer aber die geöffneten Wasserhähne vor der Abfahrt nicht wieder schließt, der riskiert eine trockenlaufende Pumpe. Denn diese springt an sobald der Wohnwagen an die 12V Stromzufuhr des Autos angeschlossen wird. Läuft die Pumpe zu lange trocken, nimmt sie Schaden. Ca. €20 kostet eine neue Pumpe – das wissen wir aus eigener Erfahrung. Diverse andere Leidensgenossen sind hier glimpflicher davongekommen. Heute vermeiden wir das, indem wir in der Stromzufuhr der Pumpe einen Kippschalter zwischengeschaltet haben. So können wir die Stromzufuhr auch bei laufendem Automotor ausstellen und so die Hähne offen lassen, damit auch noch der letzte Tropfen rausgeschüttelt wird.

Ich könnte noch ewig so weitermachen. So viele Geschichten haben sich aus diesem Aufruf ergeben – und ergeben sich noch – aber hier mache ich dann doch mal einen Punkt und gehe über zu einer übersichtlichen Top Ten Liste aller Pleiten, Pannen und Caravan-Missgeschicke.

TOP TEN DER PLEITEN, PECH UND MISSGESCHICKE*

Platz 1: Nicht vollständig angekuppelt

Platz 2: Stromkabel nicht gelöst / Handbremse nicht gelöst

Platz 3: Auflaufmechanismus schiebt sich nach dem Abkuppeln in die Stoßstange

Platz 4: Stützrad löst sich während der Fahrt, da nicht richtig befestigt

Platz 5: das Schließen von Dachluken oder Fenstern vergessen

Platz 6: Kühli geht nicht in Betrieb, da Absperrhahn/Gasflasche für Gaszufuhr nicht geöffnet oder nicht auf 12V/Landstrom umgestellt

Platz 7: geplatzte Therme, da vor dem Winterlager nicht vollständig geleert

Platz 8: Teile vom Vorzelt vergessen

Platz 9: Fenster lässt sich nicht öffnen/schliessen, da zu dicht am Baum oder Nachbarwohnwagen geparkt

Platz 10: Treppe vergessen (wahlweise auf Stellplatz, Rasthof oder zu Hause)

*Änderungen vorbehalten.

Wer sich alle Geschichten im Detail zu Gemüte führen möchte, dem empfehle ich den Besuch des Threads „Anfängerfehler teilen und vermeiden“ im Wohnwagen-Forum, da dieser Thread allerdings in der nicht-öffentlichen Plauderecke steht, ist eine Registrierung erforderlich.

Unsere erste Delle im Wohnwagen haben wir uns übrigens direkt bei der ersten Ankunft auf den heimatlichen Stellplatz geholt. Wir müssen den Caravan hier in eine ziemlich enge Lücke navigieren und besaßen noch keinen Mover (dazu in diesem Post mehr). Um den Wagen noch besser zu platzieren zogen wir hin und zogen wir her. Bumms, da war die erste Delle in der Wohnwagenseite – winzig klein, aber ich sehe sie! Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, ob sich Dellen wieder entfernen lassen, stieß ich den besten Satz überhaupt:

Da hilft nur eins: Edding raus, Datum ran, weitermachen!

Was waren eure Pleiten, Pech und Missgeschicke in der Anfangszeit oder aber auch als Vollprofi? Immer her damit. Denn wie andere Top Ten Listen unterliegt auch diese dem Wandel der Zeit und den Hits, die da noch kommen mögen…

 

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